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Die liebe Vorweihnachtszeit

Die Vorweihnachtszeit ist angebrochen. Das Jahr neigt sich erneut dem Ende zu und viele verfallen in die altbewährte Retrospektive. Auch ich kann mich nicht ganz dessen verwehren. Das Jahr war heftig, ereignisreich und geprägt von vielen Erkenntnissen, bei denen die meisten dazu geführt haben, dass ich persönlich erkennen musste, dass es eben mit steigenden Alter zumindest bei mir eher schwere wird mit den Depressionen umzugehen und es ohne Hilfe nur phasenweise funktioniert.

 

Man neigt dazu zu denken man habe mittlerweile alles im Griff, weil es mal ne Zeit lang richtig funktioniert hat, aber der Schlag der Erkenntnis, dass das nur ein Trugschluss ist, gleicht wie das Auftreffen einer Dampframme mitten in die Fresse.

 

Leider kann ich diese Vorweihnachtszeit nicht so genießen wie man es sich selbst oft gerne wünschen würde, langsam zur Ruhe kommen, eine wenig den Fuß vom Gaspedal privat und beruflich zu nehmen und mit weniger Angst nach vorne blicken. Sicher ist manchmal auch bei mir eine Art Neid vorhanden, Neid auf die, die das eben können, die in der Lage sind Beziehungen stabil zu halten, die sich selbst, ihr Leben und ihren Weg im Fokus haben und ja, vielleicht sogar im Griff haben.

 

Es sind die wenigen Phasen, die mich manchmal lächeln lassen und ich weiß gerade in der tristen Winterzeit ist es eben besonders schwer. Die Sehnsucht nach der Zeit in der alles noch einigermaßen in Ordnung war steigt und damit auch leider die Traurigkeit. Ich muss sehr lange zurückdenken um diese Zeit in Gedanken greifbar zu machen. Ich war damals wohl noch ein sehr kleines Kind und heute blicke langsam auf die 42 die im Februar auf dem Zettel des Lebensfortschrittes prangt wie eine Last, die mir immer wieder sagen möchte "Fange endlich an Dein Leben in den Griff zu bekommen, Junge, es wird höchste Zeit!"

 

Im Streit hat neulich jemand zu mir gesagt "Du bist eine Zumutung!" und das traf mich in der Tat mehr als ich erwartet hätte. Das hatte ich von jemand dem ich wirklich schon so oft aus der Scheiße geholfen habe nicht erwartet aber so ist das nun einmal wenn man nur gebraucht wird weil man da anfängt wo andere "Freunde" schon längst aufgegeben haben. Ich habe all das hier immer primär für mich gemacht und ich weiß, viele in meinem Umfeld sind auch oft genervt und der Meinung ich sei im absoluten Selbstmitleid verfallen. Nun, selten bin ich das in der Tat und das ist auch in Ordnung für eine gewisse Zeit aber das ist nichts was sich jemand "antun" muss.

 

Es ist schön, dass diese Zeilen in den letzten Jahren Euch da draußen erreichen konnten und vielen echt geholfen haben. Ein bisschen macht mich das sogar stolz. Dass Menschen kommen und gehen bin ich gewohnt, auch dass man mir irgendwann das Gefühl vermittelt, dass ich auch eine Art "Mittel zum Zweck" gewesen bin, aber so ist das nun einmal.

 

Wer mich näher kennt weiß, dass ich von Herzen gerne lache und in diesen Phasen wo ich das auch kann lebe ich das aus. Viele Ziele die ich einst hatte werde ich nicht mehr erreichen können und das hat ganz realistische Gründe die durch die körperliche und seelische Gesundheit eben beeinträchtigt wurden und sich mit dem Blick auf den Alterstacho auch nicht mehr herumreißen lassen.

 

Es ist schwer sich damit abzufinden, ganz klar, aber leider hat man keine zweite Chance auf ein zweites Leben und ich muss zugeben, ich habe verdammt viel verkackt und an die Wand gefahren. Vieles davon hätte nicht sein müssen aber was nutzt mir der Gram, wenn ich es nicht mehr ändern kann. Ja, mag sein, dass einige da draußen sagen ich wäre sonst nicht der, der ich bin und der, der eben helfen kann, aber ich muss Euch auch sagen, es war dann bisher ein verdammt hoher Preis, den ich bei freier Wahl nicht gewillt gewesen wäre zu zahlen.

 

Ich versuche weiterhin authentisch zu sein und hege keine Vorsätze für das neue nahende Jahr, nein, gewiss nicht, ich versuche wie viele, die an Depressionen leiden einfach zu leben und zu ÜBERleben. Nicht mehr und nicht weniger. Depressionen sind eben recht gut behandelbar aber leider auch eben nicht heilbar. Ich wünsche mit zu Weihnachten nichts, wirklich nicht, ich brauche auch keine materiellen Dinge um mich herum, die mich glücklich stimmen. Manchmal wünsche ich mir zu hören, dass ich so wie ich bin wirklich gut bin aber auch das wurde selten.

 

Ein Wunsch habe ich aber insgeheim für mich selbst dann doch. Ich wünsche mir weiterhin genug Kraft zu haben um dieses Tal wieder und wieder durchschreiten zu können und irgendwann die Depression wieder unter mir leiden zu lassen statt umgekehrt.

 

Vielleicht tut Ihr Euch einen Gefallen, wenn Ihr mal nicht versucht zu Weihnachten Euch gegenseitig mit Geschenken zu übertrumpfen, nicht der König sein wollt weil es das neueste Smartphone war, das Ihr verschenkt habt, nicht Euch und Eure Freunde, Familie und alle anderen darüber definiert, sondern das Herz sprechen lasst mit Gesten, Worten und Zeilen aus Eurem Inneren heraus. Sagt die Dinge so wie sie sich anfühlen, denn manchmal hätte man gerne etwas gesagt aber eines Tages merkt man, dass es leider zu spät dafür ist. Sprecht miteinander, legt das Handy beiseite und seid einfach Ihr.

 

Ich werde mir zu Hl. Abend eine kleine Kiste ins Wohnzimmer unter den Baum stellen. Ohne Geschenkpapier, einfach nur eine kleine Kiste, oben offen und ein Deckel daneben und hoffe in den freien Tagen, die nahen und in der Weihnachtszeit um die Festtage ein paar Ängste, Sorgen und Schmerzen in diese Kiste packen zu können. Dann würde ich sie gerne verschließen und in den Keller bringen.

 

Aber wahrscheinlich wird sie auch nach der Weihnachtszeit leer sein und wenn dem so ist werde ich auf den Boden dieser Kiste einen Spiegel legen, der mich immer daran erinnern wird warum alles so ist wie es eben einmal ist: Weil das ICH bin und es besser nicht geht.

 

 

Schönen 2. Advent Euch allen da draußen.

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